Bericht aus Serbien (4)

Wir wurden in letzter Zeit vermehrt von der Polizei kontrolliert, die nicht wirklich glücklich darüber ist, dass sich hier Aktivisten herumtreiben. Die 1. Kontrolle fand am Busbahnhof statt, andem sich jeden Tag Flüchtlinge aufhalten um sich dort zu treffen, zu trinken oder von dort aus zu versuchen über die Grenze zu kommen. Auch für Schleuser und Taxifahrer, die ihr Geld damit verdienen bzw auch Taxifahrer, die mit der Polizei zusammenarbeiten sowie Spitzel, ist dies ein Umschlagplatz.
10 Minuten nachdem wir dort ankamen und uns zu den Leuten dazusetzten um uns mit ihnen zu unterhalten, kam auch schon die Polizei gezielt auf uns zugelaufen und wollte unsere Ausweise und den Inhalt unserer Taschen sehen. Als sie den Autoschlüssel des Autos mit dem wir dort hingefahren waren fanden, wollten sie auch das Auto sehen.
Nachdem sie einen Blick in das Auto geworfen hatten und einige Emergency packeges mit Pflastern, Verbänden, Emergencydecken und Paracetamol gefunden hatten, riefen sie Verstärkung. In kürzester Zeit kam ein ziviler Wagen mit 2 normal gekleideten Spezialeinsatzkräften angefahren. Beide sprachen perfektes Englisch, was nicht normal bei der serbischen Polizei ist. Sie schubsten uns gegen das Auto, traten mehrmals gegen die Füße und waren sehr aggressiv gestimmt. Unter Androhung sie würden uns alle Knochen brechen einen von uns umbringen und uns des Landes verweisen, da wir auch keine White Card hatten, durchsuchten diese das Fahrzeug und alle Rücksäcke und riefen nach einiger Zeit einen 3. Wagen mit Polizeihund mit der Begründung sie hätten den Verdacht auf Drogen. Der Hund fand jedoch nichts. Nach einem Versprecher um die Situation etwas zu entschärfen fanden sie herraus, dass wir einen 2. Wagen hatten und fuhren mit dem Besitzer zu dem 20km weit entfernten Standort um auch diesen zu durchsuchen. Auf dem Rückweg zu der Wache fuhren sie über dunkle Feldwege um die Person noch etwas mehr einzuschüchtern. Uns Andere nahmen sie getrennt voneinander mit auf die Polizeiwache und ließen uns dort mehrere Stunden sitzen, bis wir endlich gehen durften. 1 Handy wurde beschlagnahmt, mit der Begründung das sähe zu teuer für uns aus und wir hätten dies bestimmt geklaut.
(Um zurück zur White Card zu kommen. In Serbien ist es Pflicht sich nach 24 Stunden entweder bei der Polizei zu melden oder in ein Hotel/Hostel/Campingplatz einzuchecken um diese Karte zu bekommen, auf der dann die Adresse des Unterbringungsortes steht. Diese gilt jedoch nur für 1nen Monat. Wer dies nicht macht kann des Landes verwiesen werden.)
Gleich nachdem wir entlassen wurden, checkten wir für 1ne Nacht in ein Hostel ein um weitere Probleme dieser Art zu vermeiden.
Einen Tag davor hatten wir auch eine Begegnung mit Nazis als wir vom Bahnhof losmachten. Diese fuhren mit dem Fahrrad in uns hinein und beleidigten uns. Da wir aber 7 und sie 3 waren, schlugen sie einem Flüchtling ins Gesicht, fuhren weiter und riefen Verstärkung.
Da wir zu diesem Zeitpunkt noch keinerlei Ahnung über serbische Gesetze hatten und was die Polizei hier eigentlich machen darf und was nicht, beschlossen wir nach Belgrad zu fahren um uns dort mit einem Anwalt zu unterhalten, der sich in unserem Bereich gut auskennt und uns unter anderem auch mit Aktivisten dort vor Ort auszutauschen.
Zu der allgemeinen Gesetzeslage hier in Serbien:
- man kann 48 Stunden ohne Grund festgehalten werden
- Fingerabdrücke können auch ohne Grund genommen werden für die DNA braucht es einen driftigen Grund
- wer keine White Card hat kann abgeschoben werden, bzw wer länger als 3 Monate ohne ein Visa hier verbringt
- collektives Abschieben ist verboten, dh man kann nicht als Gruppe abgeschoben werden sondern jeder einzeln
- wer abgeschoben wird muss dies schriftlich und übersetzt bestätigt kriegen; man bekommt ein Limit bis wann man das Land verlassen haben muss
- man hat das Recht auf einen Anwalt, einen Übersetzer, das Recht zu schweigen und muss nichts unterschreiben
- alle Daten des Ausweises sowie Informationen über die eigene Familie (wie Name der Eltern, Beruf…) und Adresse der Unterbringung in Serbien müssen angegeben werden
- Taschen, Rucksäcke sowie Fahrzeuge dürfen ohne Grund kontrolliert und durchsucht werden
- für Hausdurchsuchungen und Computer brauchen sie einen schriftlichen Bescheid
- es ist erlaubt Flüchtlingen zu helfen und Sachen zu verteilen, letzteres aber offiziell nur mit einem NGO-Status (empfohlen wird dies ohne diesen Status nicht auffällig zu machen)
- man kann nur als Schmuggler angeklagt werden, wenn einem nachgewiesen werden kann, dass ein Handel mit Geld stattgefunden hat
- offiziell ist es nicht verboten Flüchtlinge im Auto innerhalb des Landes mitzunehmen, jedoch wird bei solchen Sachen von der Polizei versucht nachzuweisen, dass man ein Schmuggler ist (Bsp: Einige Leute haben jemanden mitgenommen und haben bei einem Supermarkt gehalten um einzukaufen. Da er Geld dazugegeben hat wurde versucht ihnen anzuhängen, dass sie Schleuser wären. 1 Nacht mussten sie auf der Wache verbringen. Es ist nicht durchgegangen und sie wurden am nächsten Tag entlassen.)
- Informationen an Geflüchtete weiterzugeben ist generell legal, wenn es sich jedoch um Informationen handelt, die helfen könnten illegal über die Grenze zu kommen, ist es strafbar, da es sich um eine Anstiftung zu einer Straftat handelt
- wer als Schleuser oder als ein Helfer dieser Art angeklagt wird, kann mit bis zu 5 Jahren Gefängnis bestraft werden

In Belgrad erfuhren wir auch ein paar Infos über die derzeitige Lage, die ich unter dem Bericht des „Belgrad Park wird geräumt“ geschrieben habe.
Unter Anderem aber auch, dass das Komisariat (Bundesamt für Migration) schon seit einiger Zeit eine Uniform bekommen hat um die Polizei bei ihrer Arbeit zu unterstützen, diese jedoch eigentlich keinerlei Rechte in der Hinsicht haben. Trotzdem drangsalieren jene, die sich im Park herumtreibenden Flüchtlinge und Helfer und versuchen diese aus dem Park zu vertreiben. Uns wurde berichtet, dass viele dieser Beamten in Belgrad Exflüchtlinge aus Kroatien sind und rassistisch eingestellt sind.
Auch wurden uns erschreckende Geschichten erzählt, wie Geflüchtete,die die Schleuser dafür bezahlt hatten um nach Belgrad zu kommen, und kaum angekommen waren von Anderen entführt, in Wohnungen eingesperrt wurden und nochmal zahlen sollten um freigelassen zu werden. Natürlich hatten diese nicht mehr so viel Geld. Anscheinend trafen sich, während des Vorfalles um die Situation zu klären, mehrere Schleuser und ein paar wurden wieder frei gelassen. Ob das alle waren weiß keiner.
Es gibt in Belgrad ein Hostel, das seit Oktober zu einem Flüchtlingshostel umfunktioniert wurde. Die Kosten übernimmt eine kanadische Organisation, die jeden Monat 3500 Euro an das Hostel zahlt sich jedoch nicht weiter um die Bewohner dort kümmert. Eigentlich ist die Auflage dafür, dass die Leute alle 3 Tage durchgewechselt werden, damit jeder mal die Chance hat auf eine warme Nacht und etwas zu Essen, denn die Camps sind alle überfüllt. Allerdings sind schon seit Monaten immer die Selben drinnen, alles Familien und auf 25 Plätze kommen 40 Leute. Algeriern oder Marokkanern wird keine Chance gewährt dort hereinzukommen, da ihnen vorgeworfen wird, sie würden alle klauen.
Generell haben afrikanisch Abstammende überall in Serbien Probleme um offizielle Hilfe zu bekommen.
Was mir besonders aufgefallen ist, ist der extrem große Unterschied zwischen arm und reich hier.
Als wir am Ende des Tages zu unserem Schlafplatz gingen machten wir in einem Park Halt um uns mit ein paar Flüchtlingen zu unterhalten. Währenddessen wurden wir von einem Nazi beobachtet, der auch im selben Moment am Telefonieren war um Verstärkung zu rufen, die nach kürzester Zeit kam. Wir beschlossen die Leute nicht in Gefahr zu bringen und lieber mit ihnen geschlossen zu gehen bevor noch mehr eintrafen.

Auf der Rückfahrt fuhren wir über Sid um uns mit den Leuten dort zu unterhalten und herauszufinden wie die Situation vor Ort ist. Sid liegt an der Grenze zu Kroatien und hat insgesamt 3 Camps, eins davon „Grey House“ genannt, welches direkt am Bahnhof in Sid liegt. In diesem Camp sind ungefähr 500 Flüchtlinge untergebracht.
Grey House
Da aber alle 3 Camps überfüllt sind schlafen auch viele Leute davor auf der Straße oder auf nahe liegenden Wiesen. Die Außenschlafenden werden jedoch jeden Tag von der Polizei gepeinigt indem sie geschlagen, getreten oder einfach verhaftet werden. Die meisten von ihnen sind Algerier oder Marokkaner. Jenen wird auch der Zugang zu den Camps sowie auch zu der Karte, mit der man als Flüchtling dort versorgt wird, verwehrt mit der Begründung sie seien alle Diebe. Die Karten gibt die Polizei aus und da diese rassistisch eingestellt sind vergeben sie die nicht an afrikanisch Abstammende. Somit bekommen diese Leute auch keine medizinische Versorgung.
Viele versuchen von dort über die Grenze nach Kroatien zu kommen, was anscheinend auch sehr leicht gelingt, werden jedoch in den nächst folgenden Dörfern von der Polizei erwischt oder sie wird extra von Bewohnern angerufen. Für die Leute mit Geld ist es etwas einfacher, da diese sich Schleuser leisten können oder, in Kroatien angekommen, ein Taxi bezahlen um nach Zagreb zu kommen. Schleuser kosten um die 1400 Euro um bis nach Zagreb zu kommen.
Auch der Zug ist ein oft versuchtes Verkehrsmittel um über die Grenze zu kommen, was jedoch fast unmöglich ist, da am Grenzübertritt Polizei hinzusteigt und die Menschen kontrolliert.
Mir wurde von einem erzählt wie er in einer Gruppe von 6 Leuten von Thessaloniki bis nach Belgrad unter dem Zug 24 Stunden ohne Essen und Wasser mitgefahren ist.
Da wir wir schon sehr lange unterwegs waren beschlossen wir die Nacht etwas außerhalb von Sid zu verbringen und am nächsten Morgen weiterzufahren. Wir suchten uns ein ruhiges Plätzchen und gingen mit dem Hund über die Felder spazieren. Anscheinend kamen wir der kroatischen Grenze etwas zu nah und wir hörten einen lauten Knall, was wir als Warnschuss warzunehmen glaubten, denn als wir in die Richtung schauten sahen wir die Umrisse eines Containers, eines Wagens und eines weiteren Autos, das kurz danach an der naheliegenden Straße ankam. Auch hörten wir Hundegebell und sahen einen Suchscheinwerfer wie er über das Feld gestrahlt wurde um zu sehen was da war. Möglichst schnell drehten wir um und gingen zu unserem Schlafplatz zurück.
In den Tagen in denen wir unterwegs waren, fuhr der andere Teil unserer Gruppe weiterhin die Camps in Subotica ab. Als sie an der Tankstelle nähe Horgos stand und Handys der Leute auflud wurde sie von den Securities der Tankstelle sehr hart angegangen und verscheucht. Sie fuhren auf ein nahe liegendes Wiesenstück um dort etwas zu kochen und mit ein paar von den Horgosbewohnern zu Abend zu essen. Kurze Zeit später kam die Polizei angefahren und meinte es sei verboten Essen auszugeben. Auch die Aussage man gebe kein Essen aus sondern esse mit ein paar Freunden wurde nicht akzeptiert, da es angeblich verboten seie mit Flüchtlingen zu essen. Unsere Gruppe musste wegfahren.
Als wir wieder in Subotica angekommen waren gingen wir am nächsten Tag zum Subotica-Camp. Wir unterhielten uns mit den Leuten und 15 Minuten später kamen 2 Leute des Komissariats vorbei und meinten wir sollen veschwinden. Als wir nicht gingen wurden sie sehr aggressiv und nach einer kurzen Diskussion weshalb wir denn gehen sollten, meinten sie es sei verboten mit Flüchtlingen zu reden und riefen die Polizei. Wir beschlossen zu gehen um die Bewohner des Camps nicht unnötig mit der Polizei zu konfrontieren, die beiden Komissariatspersonen verfolgten uns den ganzen Weg bis die Polizei kam, beleidigten uns die ganze Zeit und machten Fotos von uns. Als die Polizei ankam, meinte diese nur es sei verboten mit Flüchtlingen in der Nähe des Camps zu reden und wir sollen gehen.
Im Subotica-Camp schlafen momentan an die 250 Personen. Es gibt dort aber nur 5 Duschen und die werden nur einmal am Tag für 1 Stunde geöffnet.
Subotica Camp
Ein paar Tage später wurde ein Teil unserer Gruppe von den selben 2 Einsatzkräften der Spezialeinheit, die uns beim 1. Mal mit verhaftet hatten, verfolgt und wieder kontrolliert. Durch die massive Repression seitens der Polizei erschwert es unsere Arbeit hier ungemein.

Wir bekamen ein paar weitere Infos aus Kroatien.
Wer als Flüchtling in Kroatien ankommt wird nur dann nicht sofort wieder abgeschoben wenn er einen Asylantrag dort stellt, dh sich dort regestrieren lässt. Wer dies tut kommt für einen Tag in ein offenes Camp, wenn es ein Sonntag ist 2, da am Sonntag nichts in der Art bearbeitet wird. Danach bekommt man eine Green Card und es werden Fingerabdrücke genommen sowie die ganze Registrierung vollzogen. Nach einiger Zeit wird ein Interview mit den Leuten geführt um genaueres über deren Fluchtursache herauszufinden. Danach geht der Antrag vor Gericht. Es gibt 2 lokale Organisationen, die die Asylbeanträger mit einem Anwalt unterstützen.
Wenn der Antrag durchgeht bekommt man eine Unterkunft für 2 Jahre, die man sich selber aussuchen kann und darf legal arbeiten. Allerdings ist die Arbeitslosigkeit in Kroatien so hoch, dass es fast unmöglich ist eine Arbeit zu finden. Auch medizinische Hilfe wie kostenlos die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen zu dürfen ist mit inbegriffen und eine Sozialstütze von 100 Kronen im Monat, was ungefähr 15 Euro entspricht.
Es gibt auch eine 30 Tageskarte. Das Verfahren ist genau das Gleiche, bei dieser bekommt man ebenfalls 100 Kronen im Monat, darf sich diese Zeit in ein Hostel einquartieren und bekommt kostenlos Essen zur Verfügung gestellt. Allerdings gilt auch bei der 30 Tageskarte das Dublin-Abkommen und man kann, bei Weiterreise, wieder zurück nach Kroatien abgeschoben werden.
Für allgemeine Verhätnisse haben relativ wenig Flüchtlinge Asylanträge in der Hauptstadt Kroatiens gestellt, denn es leben nur an die 250 in ganz Zagreb.
In Kroatien gibt es 2 Arten von Camps. Die offenen, dh die Leute können das Camp verlassen, und geschlossene, in dem die Leute das nicht verlassen können. Porin (Zagreb) und Kutina (50 km von Zagreb entfernt) gehören zu den Offenen. Jezevo zu den geschlossenen, in dem es ebenfalls nicht möglich hineinzugehen. Nähe Sid in Touanik wird momentan auch noch eins gebaut, es ist jedoch noch nicht sicher ob dort hin schon Flüchtlinge gebracht worden sind.
Auch wie in Serbien ist es Grauzone Geflüchtete innerhalb des Landes mitzunehmen. Es gibt kein offizielles Gesetz, das es verbietet, jedoch wird auch hier versucht mit allen Mitteln nachzuweisen, dass Geld geflossen ist und man diese Person schmuggeln will.

Von einem Geflüchteten haben wir erfahren, dass dieser, als er über die Grenze ging und in Kroatien geschnappt wurde, für 6 Tage ins Gefängnis eingesperrt wurde. Er ist wieder nach Serbien abgeschoben worden und hat nun die Auflage Serbien in spätestens einem Monat verlassen zu haben, sonst wird er wieder in sein Herkunftsland abgeschoben.
Er versuchte es auch über die ungarische Grenze mit einem Freund zusammen, doch dort wurden sie von einem Polizeihund attackiert, der auf sie gehetzt wurde und wurden festgenommen. Ihre Handys sowie ihr ganzes Geld wurden beschlagnahmt.
Mehrere Geschichten hörte ich auch von Anderen Leuten. Viele wurden grundlos in verschiedensten Ländern ins Gefängnis gesteckt. Die Zeit war meistens zwischen 3-6 Monaten. Selbst Minderjährige, bei denen es gesetzlich verboten ist sie einzusperren, wurden oft verhaftet und, um diese einsperren zu dürfen, das Alter auf 18 hochgesetzt. Dies passierte mit einem 16 Jährigen in Griechenland und auch mit einem 15 Jährigen in Mazedonien. Die erschreckenste Geschichte war von einem 16 Jährigen Palästinenser, der für 3 Jahre im ägyptischen Knast gefangen genommen wurde und mir übersetzen ließ, wie sie ihn dort folterten und versuchten umzubringen nur, weil er den Status eines Flüchtlings hat. Er hat es aber geschafft zu fliehen. Auch sein Bruder wurde gefangen genommen. Leider weiß er gar nichts von seiner Familie. Weder von seinem Bruder noch weiß er mehr die Nummer seiner Familie um ihnen mitzuteilen, dass er noch lebe und nicht tot sei.
Fast alle der Geflüchteten haben das Rauchen und Trinken angefangen, was sie vorher nicht gemacht haben, da es als Moslem verboten ist Alkohol oder Nikotin zu sich zu nehmen und man als schlechter Moslem gilt, dies zu tun. Viele sind aber mittlerweile so verzweifelt, dass sie sich nicht mehr anders zu helfen wissen als sich zu berauschen, um ihre schlechte Situation zu ertragen.

Um eine Vorstellung davon zu haben, wo die verschiedenen Camps in Serbien genau liegen:
SerbienCamps

Bilder aus Horgos

Das sind Bilder von dem Lager in Horgosh

Der Containerknast fuer alleinstehende Maenner in Horgosh

Grundgeruest des Gebetszeltes

Essen des Roten Kreuzes

Bericht aus Serbien (3)

Wir sind vor ein paar Tagen mit dem Van zur Tankstelle gefahren, die in der Naehe des Camps Horgos liegt, und haben die Handys einiger Leute aufgeladen und dabei Wassermelone und Anderes verteilt.
Nach einigen Gespraechen sind wir mit in das Camp Horgos gelaufen um uns ein Bild davon zu machen. Wir wurden dort freundlich empfangen und sogleich zu einer Familie mit ins Zelt eingeladen, die uns zu Tee einlud. Wir sassen dort einige Zeit und unterhielten uns mit allen unter anderem auch ueber die Situation im Camp.
So fanden wir heraus, dass es eine Liste gibt von Denen, die noch legal ueber die Grenze gelassen werden duerfen. Auf dieser Liste stehen noch 1500 Namen und ist mittlerweile geschlossen.
Pro Tag werden 15 Menschen von dieser Liste ueber die Grenze in ein Camp nach Budapest gebracht, bevorzugt Familien (ca. 2 am Tag) und wenig Alleinstehende (1-2).
Wer ueber die Grenze darf entscheidet ein etwas aelterer Mann des Camps, der von der Polizei elegiert wurde; entscheidet dies jedoch zusammen mit den anderen Refugees.
Wie schon im vorherigen Bericht erwaehnt werden alleinstehende Maenner erst einmal 28 Tage in Container (3 Personen pro Container) eingesperrt und es wird versucht sie zu ueberreden wieder in ihr Land zurueckzugehen und es wird abgeklaert ob sie Asylbedürftig sind oder nicht und ob es sich um Terroristen handelt. Eigentlich dauert die offizielle Befragungszeit 8 Tage, die Leute werden dennoch 28 festgehalten. Wer die 28 Tage durchhaelt und der asylberechtigt erscheint,wird in ein Camp nach Budapest gebracht, darf dort jedoch nicht schlafen sondern nur Asyl beantragen und muss bis der Antrag durchgeht (das dauert meistens zwischen 1-2 Monaten) die Zeit auf der Straße ohne Geld verbringen, denn der ungarische Staat unterstuetzt diese nicht mit Geld.
Seit Dezember ist es auch strafbar illegal die Grenze zu uebertreten. Dh jeder, der dabei erwischt wird kann dafuer ins Gefaengnis kommen.
Momentan schlafen in Horgos 325 Personen.
In einer Nacht, hat sich ein junger Mann im Camp versucht das Leben zu nehmen, in dem er 20 Zigaretten gegessen hat (2 fuehren schon zu einer Vergiftung und zum Tod) und sich tief in die Arme schnitt. Leute aus dem Camp versuchten verzweifelt den Krankenwagen zu rufen, die aber meinten, sie duerften nicht in das Camp fahren und wenn muesse man ihn aus dem Camp rausbringen.
Auch Versuche die Polizei zu verstaendigen waren sehr ernuechternd, da sie nur in das Telefon reinschriehen, auflegten und nach 3. Anrufversuch uns einfach wegdrueckten.
Im Endeffekt kamen ein paar Voluntairs ins Camp gefahren, legten den Mann auf eine Plane und schafften ihn selber zu einem Arzt. Er ist zum Glueck durchgekommen und wieder auf den Beinen.
Wer im Fluechtlingscamp in Budapest ankommt, wird erst mal 3 Monate festgehalten bis entschieden wird ob er oder sie weiterreissen darf/duerfen.
Viele versuchen auch illegal ueber die Grenze zu kommen.
Fuer einen Transport von Schleppern ueber die Grenze zahlen die Leute 1500 Euro im Vorraus oder wer erst im Nachinein zahlen will, um wirklich sicher zu gehen nicht abgezogen zu werden, zahlt 2500 Euro.
Von einigen, die erwischt wurden und wieder zurueck nach Serbien abgeschoben wurden, wurde uns erzaehlt, dass die ungarische Polizei sie im Gefaengnis eingesperrt hat und ihnen sagte, wenn sie sich selber mit Zigaretten verbrennen wuerden oder sich selber schneiden wuerden, wuerden sie wieder frei gelassen werden (was natuerlich nicht passiert ist, sondern sie wieder abgeschoben wurden).
Auf Grund dessen laufen hier viele mit Schnittwunden und Brandverletzungen herum.
Auch Hundebissverletzungen sind nicht selten, da in der 8 km Sicherheitszone der ungarischen Grenze die Polizei Hunde im Einsatz hat und diese auch auf Leute hetzen. Uns wurde auch von scharfen Schuessen berichtet.
In dieser Zone duerfen Fliehende noch legal wieder zurueck gebracht werden. Nach diesen 8 km ist es eigentlich illegal fuer den ungarischen Staat.
Uns wurde auch von einigen Fluechtlingen erzaehlt, dass eine inoffizielle Praemie auf sie von der ungarischen Polizei ausgesetzt wurde. Uns wurde von 50 Euro berichtet, die den Taxifahrern zugeschoben worden seien.
Auch in Kroatien und Bosnien schaut es momentan nicht gut aus. Durch die Situation der verschaerften Aenderungen mit Fluechtlingen in Ungarn befuerchtet der kroatische Staat, dass diese nun ueber Kroatien weiter reisen werden und haben die Grenze mit ueber 6000 mehr Polizeieinsatzkraeften verstaerkt.
Die Reise allein durch Kroatien und durch Bosnien gestalltet sich auch so schon schwierig genug, da durch den kroatisch-serbischen Krieg damals noch ziemlich viele Gebiete mit Landminen verseucht sind.
Besser sieht es in Slowenien aus. Da dieses Land anscheinend nicht von sehr vielen Gefluechteten ausgesucht wird, sind die Gesetze und der Umgang mit jenen locker geregelt. Auch die Grenze wird nicht so stark bewacht.
Zwar werden die Leute dort auch erst mal eingesperrt, werden jedoch sofort nach dem Stellen des Asylantrags wieder frei gelassen oder auch einfach so wieder raus gelassen.

Jetzt zum Dublin-Abkommen.
Nach dem Dublin-3-Abkommen ist gerade das Dublin-4-Abkommen im Gespraech und soll in naechster Zeit in Kraft treten.
Dies wird die Rechte Der Fluechtlinge imens verringern.
Das neue Abkommen besagt, dass statt einer Frist von 6 Monaten (in der Gefluechtete legal abgeschoben werden duerfen und nach Ablauf dieser Zeit nicht mehr), die Frist nun abgeschafft werden soll und jeder jederzeit legal wieder in das Erstregistrierungsland abgeschoben werden kann.
Auch vor minderjaehrigen Jugendlichen sowie die von der Reise Traumatisierten, macht das Neue Abkommen keinen Halt mehr (was nach Abkommen 3 verboten war) und jene duerfen auch legal abgeschoben werden.
Unter Anderem wird das Kirchenasyl komplett verboten und sie koennen weder Asyl noch Hilfeleistungen mehr beantragen.

Bericht Samos und Lesvos (Griechenland)

Ich weiss der Bericht kommt etwas verspaetet aber wir hatten bis jetzt recht wenig Zeit ihn abzutippen.

Als wir in Samos angekommen sind haben wir sofort gesehen, dass sich dort das Militaervorkommen verstaerkt hat.


Da wir ebenso Boote der deutschen Kuestenwache bemerkt haben und uns mit diesen unterhalten haben, kam heraus, dass diese Frontex unterstuetzen und dass das Militaer nur deshalb vor Ort waere wegen dem griechisch- tuerkischen Konflikt.
Wir haben uns ebenso mit Ladenbesitzern unterhalten, die und mitteilten, dass mittlerweile weniger Fluechtlinge als zuvor ankommen wuerden.
Als wir uns das Fluechtlingscamp vor Ort anschauen wollten, das sich um das doppelte vergroessert hat, wurden wir sofort von Securities aufgehalten und wieder weggeschickt mit der Aussage, dass dies eine Militaerbasis waere und das betreten bzw das draussen darum herum laufen, verboten sei.


Da wir nur auf der Durchreise nach Lesvos waren konnten wir uns keine weiteren Bilder von Samos machen und kamen dann schliesslich in Lesvos an.
Nachdem wir angekommen waren, wurden wir vom Hafen abgeholt und zu dem besetzen Haus gebracht, das zum Social Center umfunktioniert wurde und mit der Idee enstanden ist, einen Schutzraum fuer die Fluechtlinge vor Polizei und Militaer zu bieten und ihnen einen Aufenthaltsraum zur Verfuegung zu stellen, in dem Essen ausgegeben wurde, Spiele gespielt werden konnten, kostenlos Klamotten zur Verfuegung gestellt wurden, Infos ueber allgemeine Rechte und Gesetze weitergegeben wurden und einiges mehr. Das Haus war in viele Raeumlichkeiten unterteilt, wie einen Frauenraum, Aufenthaltsraum mit Theke zum Essen ausgeben, einen Umsonstladen, einem Kinderbereich,Kueche,Toiletten…
Küche
Theke
Kinderberreich
Women Space
Kurz nach unserer Ankunft kam auch schon die Polizei und wollte wissen was wir dort machen und wir das Haus verlassen sollen. Nach einer kurzen Erlaeuterung, dass wir im Gespraech mit der Alphabank (der Besitzer des Hauses) sind meinten sie wir sollen trotzdem gehen bis das geklaert ist, machten aber nachdem sie mit dem Anwalt telefoniert hatten, der zwischen uns und der Bank vermittel sollte, nichts weiter und gingen wieder.
Nach 2 Stunden kam noch einmal die Polizei, diesmal in zivil, die wir aber widerum abwimmeln konnten.
Die naechsten Tage haben wir mitgeholfen das Social Center noch komplett mit einzurichten, Sachen zu bauen, die noch fehlten und hatten die Idee einen Umsonstladen dort einzurichten, welche wir auch gleich umsetzten und zu einer leer stehenden Cheese-factory fuhren, die zum Klamottenlager umfunktioniert wurde, um uns dort mit jeweiligen einzudecken und bauten den Laden direkt in den naechsten Tagen ein.
Clothes
Klamotten
Freeshop
Ebenfalls wurden wir eingewiesen was zu tun ist im Falle, dass ein Fluechtlingsboot ankommt, wie man sich verhaelt und wie man die Leute am Besten sicher an Land bringt. Da eine Nacht zuvor der Militaerputsch in der Tuerkei stattfand, waren einige sicher, dass es sein koennte, dass in den naechsten Tagen ein paar Fluecktlingsboote ankommen wuerden, weil diese die unsichere Lage vielleicht ausnutzen koennten um von dort zu fliehen. Deswegen gab es jede Nacht 2 eingeteilte Nachtschichten, die vom Aussichtsturm des Hauses das Meer beobachteten und Alarm schlagen sollten, wenn sie eins entdecken sollten. Wir uebernahmen dies unter anderem auch ein paar Naechte.
Weiterhin wurde versucht, eine diplomatische Beziehung mit der Alphabank zu fuehren, die aber nicht den gewuenschten Erfolg hatte.
Gleich am Eroeffnungtag erschien ein Bankmanager, im Gefolge mit Polizei, und forderte uns auf das Gebauede zu verlassen, was wir nicht taten, und nach einigen Diskussionen erlaubte uns dieser offiziell noch 3 Tage drinnen zu bleiben.
Nach einiger Zeit trafen die ersten Gefluechteten ein und Stueckchenweise kamen immer mehr.
Eröffnung 1
Eröfnnung 2
Es gab einen riessigen Ansturm auf den Umsonstladen und artete im Chaos aus.
Eins der groessten Probleme war, dass wir nicht genug Kleidung hatten in den meistgebrauchtesten Groessen, sodass viele sich vordraengelten und alle durcheinander schrien um das zu bekommen was sie brauchten. Vorallem fehlten Maennerklamotten, die es aber generell nicht mehr so viel auf der ganzen Insel gab. Wir versuchten uns ebenso mit Atrica in Verbindung zu setzen, die ebenfalls ein Lager hatten, stellten aber auch dort fest, dass dies rar waren.
Nach 2 Tagen nach der Eroeffnung haben wir uns dazu entschieden, die Kueche zu uebernehmen, die an einem separierten Ort war um die Abendsessenausgabe im Falle der Raeumung zu sichern.
Küchenlager
Töpfe
Schnippeln
Kochen
Wir kochten ungefaehr jeden Tag um die 200 Portionen und verteilten diese mit dem Auto an einem anderen Platz. Dies machten wir bis zum Schluss.
Die Wasservorraete wurden uns von einer wohlhabenden pakistanischen Familie gespendet.
Ausgabe
Zu diesem Zeitpunkt waren wir um die 30 Aktivisten. Nach der abgelaufenen Frist, gabe es nochmal ein Gespraech mit der Alphabank, jedoch ohne Chance das Haus legal weiter zu betreiben. Ein paar Tage spaeter (unserem Abfahrtstermin in Richtung der serbisch-ungarischen Grenze) wurden wir geraeumt.
Im Nachhinein haben wir erfahren, dass die Leute den Strand vor dem Haus besetzt haben, um das Social Center weiter betreiben zu koennen.
Jedoch wurde auch dieses, nach mehrmaligem Auffordern seitens der Polizei, inzwischen geraeumt.
Strand

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Boot
(Gestrandetes Boot)

Müll
(Viele Teile der Küste sind voll mit Wasserflaschen, Schuhen, Rücksäcken, Decken… der Angekommenen)

Bild
(Dieses Bild wurde von einem Kind gemalt. Es zeigt wie ein Frontexschiff die Menschen von ihrem Boot herüberholt)


(Die Schwimmwestenberge in Molivos von den Angekommenen auf der Insel. Und das sind noch lange nicht alle.)
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Jetzt zur allgemeinen Info in Griechenland und vorallem auf Lesvos:
Auf der Insel gibt es momentan ca. 10 000 Fluechtlinge.
Insgesamt gibt es 20 NGO (Non Goverment organisation) Camps, und einen Abschiebeknast namens Moria in dem momentan 4000 Fluechtlinge „leben“. Ein neuer Abschiebeknast mit groesserer Kapazitaet ist bereits im Bau und wird auch bald zur Verfuegung stehen. Einige von den Fluechtlingen schlafen auf der Strasse, da sie sich entweder nicht registrieren lassen wollen, oder weil in Moria keine menschenwuerdigen Zustaende herrschen und es viele gewaltaetige Konflikte in den Camps gibt.
Vor einen halben Jahr wurden alle in Moria komplett eingesperrt und hatten nur eine halbe Stunde Hofgang. In dieser Zeit gab es vermehrt Aufstaende. Einer der wichtigsten war der ausgeloest wegen des Besuchs eines Ministers, in dem die Gefluechteten ein Teil des Gefaengnisses besetzen konnten und durch die Lautsprecheranlage durchschrien : „Freedom now“. Nachdem der Aufstand niedergepruegelt wurde und es die Aufmerksamkeit der Medien auf sich zog, wurde die Ausgangssperre wieder gelockert und in zwei Sektoren unterteilt den Inneren ( die leute haben immer noch kein Recht zum Ausgang) und den Aeusseren ( Ausgangserlaubniss nur tagsueber).
Bei Ankunft eines Fluechtlingsbootes werden die Fluechtlinge zuerst von der Polizei nach Moria gebracht um dort registriert zu werden ( Fingerabdruecke, Fotos…), danach bekommen sie eine Aufenthaltserlaubnis von einen Monat. Nach Ablauf dieser Frist, findet ein Interview statt, indem geklaert wird, aus welchem Grund die Leute geflohen sind und ob sie auf Grund dessen Asyl bekommen oder nicht.
Dabei haben Syrer die besten Chancen, da Syrien als einzigstes nicht als sicheres Herkunftsland gilt. Sogar Afghanistan ist mittlerweile in der Diskussion als sicheres Herkunftsland zu gelten und die Fluechtlinge von dort werden teilweise abgeschoben. Die schlechtesten Bedingungen haben Marokkaner sowie Pakistanis, da deren Staaten sie nicht mehr zurueck nehmen wollen, ausser sie zahlen ca. 800 Euro.
Die Fluechtlinge wurden teilweise unter Druck dazu ueberredet Blankopapiere zu unterschreiben, die spaeter als Gestaendnis zu einer kriminellen Handlung genutzt werden koennen, um Abschiebungen zu rechtfertigen.
Alle Fluechtlinge die nicht erfolgreich Asyl beantragt haben ( nahe zu alle), haben den Status illegal auf der Insel zu sein und koennen somit jederzeit grundlos verhaftet werden. Diese Leute haben keine Chance von der Insel aufs Festland zu kommen und sehen deswegen die Insel als ein grosses Gefaengnis an. Momentan finden auf der Insel keine Abschiebungen statt.

Pro Tag kommt mittlerweile nur noch ein Fluechtlingsboot an, ein halbes Jahr zuvor kamen ca. 20 Boote pro Tag an, das hat mit verstaerkten Kontrollen an der tuerkischen Kueste zu tun, unter anderen auch mit Drohnen.
Bevor Organisationen die Chance bekommen Fluechtlingsboote zu bergen, sind die Frontexschiffe schon vor Ort. Von der Tuerkei bis nach Lesvos sind es ca. 12 Km.
Die Fluechtlinge muessen pro Person zwischen 800 -1500 Euro an Schlepper zahlen um die Strecke zu bewaeltigen. Von Lesvos bis nach Athen ca. 1200.
Viele Schlepper wollen ihren Gewinn maximieren und strecken deswegen den Sprit und geben minderwaertige Schwimmwesten aus, die sich mit Wasser fuellen und die Leute zusaetzlich unter Wasser ziehen.
Viele lokale Gruppen setzen sich fuer die Rechte der Fluechtlinge ein.

Eine sehr bewegende und traurige Geschichte wurde uns von einem Gefluechteten erzaehlt, die darum ging wie er von der Tuerkei nach Lesvos uebergesetzt ist.
Das Boot war voll mit ungefaehr 50 Leuten. Als sie mitten auf dem Meer waren, fuhr ein riessiges Schiff sehr nah vorbei und durch die Wellen, die dieses ausloeste, wurde das kleine Boot umgeworfen und sank. Das Schiff fuhr einfach weiter als waer nichts gewesen.
Eine Mutter von 2 kleinen Toechtern, die 2-3 Jahre alt waren, bat ihn im Falle, dass etwas passieren sollte, er ihre beiden toechter bitte retten solle. Er versuchte es, doch bald war auch er muede und konnte sie nicht mehr halten. Er selber brauchte noch ganze 2 Stunden um an Land zu schwimmen und hatte die ganze Zeit ueber den Gedanken, er wuerde es auch nicht mehr schaffen und ertrinken. Schlussletztendlich schaffte er es.
Was er aber jede Nacht hoert sind immer noch die Schreie der Leute, die um ihr Ueberleben kaempften und gibt sich selber die Schuld, dass er die beiden kleinen Maedchen nicht retten konnte.
In den ganzen letzten Jahren sind jedoch nicht nur diese Leute ertrunken sondern 1000e von Gefluechteten.

Bilder kommen noch in den naechsten Tagen

Belgrad-Park wird geraeumt

Wie bereits berichtet, schlafen viele Flüchtlinge in den Parks. Vor 2 Tagen wurden diese unter massivem Polizeieinsatz geraeumt. Hierzu ein Artikel:

On August 11 around 2pm the police and commissariat evicted both parks
in Belgrade in a joint action.

The parks were surrounded by four buses and 20-30 police officers and a
bunch of commissariat workers told everyone to enter the buses to go “to
the camp.” People report they were threatened to be deported to Bulgaria
or Macedonia if they refused to get on the buses. People were also told
the park was “locked” and that the police would put anyone “from
Afghanistan” they encountered in the parks in the next days into jail.

All of the buses allegedly went to Krnjaca, where hundreds of beds have
stood empty in the last days. To get to Krnjaca before the eviction, you
had to have ‚Krnjaca‘ written on your asylum application paper. The
system it that once you register to begin the asylum process in Serbia,
you are assigned an asylum center where you must go. Thus, most of the
people who applied for asylum have been transported to other camps which
are located all across the country, far off from any opportunity to
organize further travel.

Now that they want to clear the parks, however, it seems the authorities
have decided that it’s time to make use of the free capacities in
Krnjaca in order to hide the migrants from the eyes of the public.

Those who prefer the park to camp are pressured to leave with threats
and lies. There is the aggressive threat of deportation and jail as well
as the insidious lies about the state of the camp. People are convinced
to get on the buses under the impression that the camp is completely
open. It’s close to the city center and they will be able to travel back
and forth easily, they say.

In reality, there have been many reports today (August 12) of men being
trapped in the camp. They enter the camp and then are not allowed to
leave unless they apply for asylum. One group of about 25 men was able
to return to the park today but only through escaping over the fence and
running through the jungle. The men coming back from the camp also
reported how, as they refused to apply for asylum, they were denied the
right to get hot food and to wash their clothes. All these measures
build up a situation that forces people to apply for asylum which most
probably will lead to their deportation to one of the other camps far
away from Belgrade.

Here the park looks devastated. After heavy rain and cold weather broke
in two days ago all the paved ways are wet and dirty with trash and
forgotten items that people left behind. The exposed dirt ground where
grass used to grow remains guarded by ragged head-high plastic fences,
torn and ripped over the time and carelessly mended with plastic bags
and nails. Only some who managed to escape the eviction sit around in
the park that was just yesterday morning filled with a community of
people. They are the ones determined to stay. Whether their actions are
motivated by fear, frustration, anger, or desperation, they like the
park and prefer to stand by it rather than bend to the pressure and
pleas of the authorities.

In the midst of this dire situation, civilian clothed and uniformed
police alongside commissariat workers and NGO volunteers continue to
roam through the parks spreading the propaganda of “you are not
welcome.” They repeatedly approach any remaining groups to tell them
that buses are ready to go and pressure them into going to camp by
saying that they have to make a decision and leave right away. Other
commissariat workers say they don‘t care where the refugees go as long
as they are not in the park.

This is just the next attempt of the Serbian authorities to gain control
over the autonomous movements of thousands of people. It is clear that
the eviction is also a direct consequence of the legal and militarizing
steps that the Hungarian government took to keep people from entering
the country.

Nachdem der Park bzw die Parks geraeumt wurden, wurden alle Grünflächen so umgegraben,mit der Absicht, dass sich dort keiner mehr aufhalten bzw dort schlafen kann.
Hierzu ein paar Bilder:
Park

ParkB

Als jedoch klar war, dass alle Camps überfüllt waren, kamen die meisten wieder zurück um sich dort wieder niederzulassen, da sie keinen anderen Ort hatten/haben um zu bleiben.
Schlafischlaf

Aktivistengruppen, die sich dort ebenfalls im Park aufhielten/aufhalten, unterstützen die Gefluechteten mit der Aktion: „Der Park ist für alle da“
Wiederrum versuchte die Polizei den Park zu raeumen, an diesem Tag jedoch ohne Erfolg, da alle Refugees zusammen aufstanden und ihnen mitteilten, dass sie nicht gehen würden und dass das auch ihr Park sei. Die Polizei zog nach einiger Zeit ab.
Freepark

Mittlerweile sieht die Situation aber wieder schlecht aus, da die Leute durch massiven Polizeieinsatz nachts staendig verscheucht werden bzw gewaltsam aus dem Park rausgeworfen werden. Einige berichteten auch von Tritten.
Auch tagsüber treiben sich dort Polizei und Komissariat herum um Aktivisten sowie Flüchtlinge repressiv zu kontrollieren um soziale Arbeit dort möglichst schwierig zu gestalten.

Bericht aus Serbien (2)

Haben mittlerweile die Handylade-Station in Betrieb genommen und versorgen momentan ein Camp mit Obst.
Da die Gruppe hier erst neu entstanden ist, muessen wir uns noch organisieren.
Wir haben uns aber bereits mit einer anderen Gruppe aus der Schweiz zusammengeschlossen, die die Camps schon mit Lebensmitteln versorgen.
Leider gibt es vor Ort keine einzige lokale Gruppe, die sich politisch oder humanitaer mit der momentanen Fluechtlingssituation ausseinandersetzt.
Deswegen versuchen wir grad Kontakt zu der lokalen Bevoelkerung aufzubauen.
Es ist hier unglaublich schwierig mit der Arbeit vorranzukommen, da sich die Polizei komplett gegen die Fluechtlingsarbeit stellt. Der Großteil der Bevoelkerung ist hier eher rechts gepraegt. Die Fluechtlinge werden hier
regelmaessig von Nazis ueberfallen und verpruegelt. Uns wurde auch gerraten vorsichtig zu sein.
Der Alf-Bus ist momentan nur bedingt nutzbar, da sie Kardanwelle kaputt ist. Deswegen versuchen wir grad uns ein Auto zu mieten um unsere Arbeit fortzusetzen.
Die Situation in Belgrad hat sich verschlimmert,da die Fluechtlinge, die im Park schlafen, jetzt nur noch drei Tagen geduldet werden. Nach dieser Zeit werden sie grundlos inhaftiert, wenn sie sich weiter dort aufhalten.

Häuserräumung in Thessaloniki

Vor ein paar Tagen wurden mehrere Häuser in Thessaloniki, in denen Flüchtlinge untergrbracht wurden, geräumt.
Hierzu ein Artikel:

Statement of Orfanotrofeio/Thessaloniki

Please help us spread the statement of people from the solidarity squat
Ορφανοτροφείο in regards to the eviction of our squat in Thessaloniki
last week. Police raided and evicted the house in the early hours of
Wednesday arrested the people and afterwards transported all
non-European comrades to a military camp 45 minutes outside of the city,
meanwhile 4 European comrades are faced with a trial tomorrow.

This was my home

This was home for me and my children And for thirty more families and
many other people. We were living like one family, and we came from all
over the world It was our school, it was our culture. It embraced our
different opinions and beliefs. It was the real helping hand for
everyone. Freedom of speech and expression existed there in the full
sense of the term.

The main aim of this place was to bring together and unite all human
ideas and practices in order to serve the weak and the oppressed and
support the dispossessed. And just when we thought we were at last safe,
that we were in the right place, European governments that claim to
support justice and equality and not sectarianism and authoritarianism
and that allegedly stand for freedom and democracy decided that we don’t
deserve to live in peace. They decided we ought to live in the camps,
far removed from the world, in conditions that not even animals would
tolerate. It is hard for us to accept the truth that we’re not part of
humanity, that human rights are not valid in our case. As refugees and
immigrants our only “right” is to watch our children fall sick and die
before our eyes, watch women struggle to meet basic needs. They are
moving us around like puppets, they pull the strings and we respond
accordingly… And today the government issued another decision against us:
In cold blood it pulled down and ripped out everything. They struck with
indescribable brutality. They came prepared in full attire, with loaded
weapons, as if we were less than animals, and they pulled us out with
handcuffs before the eyes of our children.

Quickly our dreams disappeared.

They were replaced by the images we thought we’d left behind. And we
thought that we would never be oppressed again. And that we would build
a brighter future for our children, with no fear, in the country of
freedom and rights. Yet even though discrimination is everywhere, we
still deeply that there’s a lot of people who will face up to the
difficulties. Their will is strong and they fear nothing. And they don’t
give up their dignity under any circumstance, at whatever cost. And we
hope that you’re in solidarity with us so that together, step by step,
we defend every right for every person, and we will claim everything
that was taken away from us. With the courage and strength of free
people who believe in fighting for their freedom.

Bericht aus Serbien (1)

Erster Bericht Serbien:

Wir fassten den Entschluss die Insel Lesvos zu verlassen, da zur Zeit genuegend Aktivisten vor Ort waren und uns aus mehreren Quellen gesagt wurde, dass wir in Serbien an der Grenze zu Ungarn mehr gebraucht werden. Am Tag unserer Abfahrt wurde dass Social-Center von der Polizei „geraeumt“ , da sich einige Leute weigerten zu gehen wurde die Raeumung auf den Abend verschoben.
Nach unseren Informationen entwickelt sich in Serbien momentan eine aehnliche Situation wie in Idomeni.
Wir bekamen den Kontakt zu einem Aktivistenbus, der momentan in der Naehe von Thessaoniki ist und ebenfalls vorhat zu den Camps nach Serbien zu fahren.
Der Treffpunkt war ein Camp im Wald in Halidiki. Dort trafen sich ein paar Aktivisten um gegen eine Goldmiene
vorzugehen, die dort den Wald zerstoert.
Es fanden dort einige Meetings statt um einen gemeinsamen Plan mit den Bewohnern vor Ort zu machen.
Nach ein paar Tagen starteten wir mit dem Bus in Richtung Serbien. An allen Raststaetten auf den Weg schliefen mehrere Fluechtlinge die auf den Weg zur Grenze unterwegs waren.
Nach zwei Tagen Fahrt kamen wir in Belgrad an. Dort trafen wir uns mit einigen Leuten mit denen wir in naher Zukunft in Horgosh zusammenarbeiten werden.
Horgosh ist ein kleiner Ort nahe der Transitzone in dem sich ein Camp befindet und in naeherer Umgebung zwei Weitere.
Horgosh wird momentan nicht mit Essen versorgt und es gibt keine Waschmoeglickeiten vor Ort.
Vor einer Woche wanderten 300 Fluechtlinge nach Horgos( 200km Entfernung) und begannen waerendessen mit einem Hungerstreik.
Leider konnten sie auf diese Weise nicht auf sich aufmerksam machen. Als nach 5 Tagen mehrere ins Krankenhaus eingeliefert wurden, wurde der Hungerstreik abgebrochen.
Momentan gibt es eine Regelung, dass jeden Tag nur 15 Fluechtlinge ueber die Grenze duerfen. Dabei werden Familien mit Kindern vorgezogen. So kommt es nicht selten vor, dass manche alleinstehenden Maenner sich hier schon ueber 4 Monate aufhalten und davor schon ueber einem halbem Jahr auf Flucht sind. Die Stimmung hier zeigt, dass die Gefluechteten langsam die Hoffnung auf ein einigermassen normales Leben verlieren.
Zwischen den Grenzen von Ungarn und Serbien befindet sich die Transitzone, die aus Containern besteht in denen sich die alleinstehenden Maenner befinden, die bei Ankunft erst einmal 28 Tage dort eingesperrt werden und ihnen versucht wird einzureden sie sollen doch wieder zurueck in ihr Land gehen. Diese Zone wurde geschlossen. Ebenfalls befindet sich ein „Niemandsland“ zwischen den Grenzen, in dem sich unter Anderem das Camp Horgosh befindet. 8 km ab der ungarischen Grenze sind gesicherdie mit Kameras, Hunden, Polizei und dem Militar. Wer in diesen 8 km von Polizei oder Militär gefasst wird, darf legal wieder zurück nach Serbien abgeschoben werden. Viele kommen mit Bisswunden von den Hunden zurück.
Von einigen die den Versuch gewagt haben ueber dir Grenze zu kommen, wurde uns erzaehlt dass auch scharf geschossen wird.
Gestern war ich in dem Park in dem die Fluechtlinge momenatn in Belgrad schlafen, da die staatlichen Unterkuenfte ( 350 Betten) in ganz Belgrad komplett ueberbelegt sind.
Dort traf ich einige Leute, die mir ihre Geschichte ueber ihre Flucht und den Versuch ueber die ungarische Grenze zu kommen, erzaehlten.
Spaeter traf ich Leute von Lesvos, die mich auf ihrem Rueckweg nach Deutschland besuchten und mir erzaehlten was in dem Sozialen Zentrum in Lesvos passiert ist und zeigten mir ein paar Fotos, die ich nach der Ankunft in Deutschland hochstellen werde.
Das Soziale Zentrum wurde noch mehrmals geraeumt und ist mittlerweile am Strand gegenueber mit Zelten aufgerichtet worden, um die Leute weiter zu versorgen.
Es gab eine Demo in Mythillini an der sich viele Fluechtlinge beteiligten.
Unser Plan fuer Horgos ist dort eine Ladestation mit Solarzellen fuer Handys aufzubauen, eventuell Duschen und kleine Oefen, damit sich die Leute eigenstaendig bekochen koennen.
Momentan kochen die Fluechtlinge selbst und wir wollen sie nicht mit einer Kueche von uns mit Essen, das ihnen vielleicht nicht schmeckt in eine Abhaengigkeit stellen.
Wenn wir vor Ort sind werden wir versuchen einen guten Deal mit einem Gemuesehaendler vor Ort zu bekommen um sie mit Gemuese und Obst zu versorgen.
Heute kaufen wir Solarpannels und ein bisschen Werkzeug ein um gut versorgt in Horgos anzukommen.

Planänderung…

Wie so oft im Leben ändern sich Pläne stettig. Langfristige Planungen erweisen sich als selbstorganierte Gruppe ohnehin als schwierig, da sich die Situationen in denen man helfen kann immer sehr schnell ändern. Leider haben wir es nicht geschafft genug Geld zu sammeln um unsere eigene Küche aufzubauen. Unser neuer Plan ist jetzt nach Lesvos zu fliegen, und dort bei der Errichtung eines Sozialen Zentrums zu helfen. Wie die konkrete Situation vor Ort ist können wir bis jetzt noch nicht sagen. In jedem Fall steht fest, das wir bis jetzt immer noch nicht genug Geld haben, um die Rückflugtickets zu bezahlen. Helft mit durch eure Spende, den Menschen Ihre Flucht vor Krieg und Terror ein bisschen erträglicher zu machen.

Freedom of movment is everybodys Right!

Der Plan

Hallo,

wir sind 6 engagierte Leute, die in 3 Wochen mit dem Auto nach Griechenland fahren wollen um dort eine mobile Küche für Flüchtlinge aufzubauen.

Der Plan ist nach Idomeni zu fahren und die um den Ort herum verteilten Splittercamps mit Essen zu versorgen, da sich dort die meisten Hilfsorganisationen, wegen der angespannten Lage, zurückgezogen haben.

Deswegen brauchen wir eine finanzielle Subvention um die Sprittkosten sowie Verpflegung für die Flüchtlinge zu decken. Diese versuchen wir aktuell in Form von Spenden zu realisieren.

Wir haben dazu ein eingerichtetes Spendenkonto:
Förderverein für soziale und politische Rechte von Flüchtlingen und MigrantInnen e.v.
Bank: ev. Kreditbank
IBAN: DE80520604100003501817
BIC: GENODEI1EK1
Stichwort: Flüchtlingshilfe Griechenland

Weitere Informationen finden sich auch unter dem Tab „Der Plan“.
Fragen beantworten wir gerne via e-mail: food-not-bombs-nbg@web.de

Liebe Grüße