Bericht aus Serbien (1)

Erster Bericht Serbien:

Wir fassten den Entschluss die Insel Lesvos zu verlassen, da zur Zeit genuegend Aktivisten vor Ort waren und uns aus mehreren Quellen gesagt wurde, dass wir in Serbien an der Grenze zu Ungarn mehr gebraucht werden. Am Tag unserer Abfahrt wurde dass Social-Center von der Polizei „geraeumt“ , da sich einige Leute weigerten zu gehen wurde die Raeumung auf den Abend verschoben.
Nach unseren Informationen entwickelt sich in Serbien momentan eine aehnliche Situation wie in Idomeni.
Wir bekamen den Kontakt zu einem Aktivistenbus, der momentan in der Naehe von Thessaoniki ist und ebenfalls vorhat zu den Camps nach Serbien zu fahren.
Der Treffpunkt war ein Camp im Wald in Halidiki. Dort trafen sich ein paar Aktivisten um gegen eine Goldmiene
vorzugehen, die dort den Wald zerstoert.
Es fanden dort einige Meetings statt um einen gemeinsamen Plan mit den Bewohnern vor Ort zu machen.
Nach ein paar Tagen starteten wir mit dem Bus in Richtung Serbien. An allen Raststaetten auf den Weg schliefen mehrere Fluechtlinge die auf den Weg zur Grenze unterwegs waren.
Nach zwei Tagen Fahrt kamen wir in Belgrad an. Dort trafen wir uns mit einigen Leuten mit denen wir in naher Zukunft in Horgosh zusammenarbeiten werden.
Horgosh ist ein kleiner Ort nahe der Transitzone in dem sich ein Camp befindet und in naeherer Umgebung zwei Weitere.
Horgosh wird momentan nicht mit Essen versorgt und es gibt keine Waschmoeglickeiten vor Ort.
Vor einer Woche wanderten 300 Fluechtlinge nach Horgos( 200km Entfernung) und begannen waerendessen mit einem Hungerstreik.
Leider konnten sie auf diese Weise nicht auf sich aufmerksam machen. Als nach 5 Tagen mehrere ins Krankenhaus eingeliefert wurden, wurde der Hungerstreik abgebrochen.
Momentan gibt es eine Regelung, dass jeden Tag nur 15 Fluechtlinge ueber die Grenze duerfen. Dabei werden Familien mit Kindern vorgezogen. So kommt es nicht selten vor, dass manche alleinstehenden Maenner sich hier schon ueber 4 Monate aufhalten und davor schon ueber einem halbem Jahr auf Flucht sind. Die Stimmung hier zeigt, dass die Gefluechteten langsam die Hoffnung auf ein einigermassen normales Leben verlieren.
Zwischen den Grenzen von Ungarn und Serbien befindet sich die Transitzone, die aus Containern besteht in denen sich die alleinstehenden Maenner befinden, die bei Ankunft erst einmal 28 Tage dort eingesperrt werden und ihnen versucht wird einzureden sie sollen doch wieder zurueck in ihr Land gehen. Diese Zone wurde geschlossen. Ebenfalls befindet sich ein „Niemandsland“ zwischen den Grenzen, in dem sich unter Anderem das Camp Horgosh befindet. 8 km ab der ungarischen Grenze sind gesicherdie mit Kameras, Hunden, Polizei und dem Militar. Wer in diesen 8 km von Polizei oder Militär gefasst wird, darf legal wieder zurück nach Serbien abgeschoben werden. Viele kommen mit Bisswunden von den Hunden zurück.
Von einigen die den Versuch gewagt haben ueber dir Grenze zu kommen, wurde uns erzaehlt dass auch scharf geschossen wird.
Gestern war ich in dem Park in dem die Fluechtlinge momenatn in Belgrad schlafen, da die staatlichen Unterkuenfte ( 350 Betten) in ganz Belgrad komplett ueberbelegt sind.
Dort traf ich einige Leute, die mir ihre Geschichte ueber ihre Flucht und den Versuch ueber die ungarische Grenze zu kommen, erzaehlten.
Spaeter traf ich Leute von Lesvos, die mich auf ihrem Rueckweg nach Deutschland besuchten und mir erzaehlten was in dem Sozialen Zentrum in Lesvos passiert ist und zeigten mir ein paar Fotos, die ich nach der Ankunft in Deutschland hochstellen werde.
Das Soziale Zentrum wurde noch mehrmals geraeumt und ist mittlerweile am Strand gegenueber mit Zelten aufgerichtet worden, um die Leute weiter zu versorgen.
Es gab eine Demo in Mythillini an der sich viele Fluechtlinge beteiligten.
Unser Plan fuer Horgos ist dort eine Ladestation mit Solarzellen fuer Handys aufzubauen, eventuell Duschen und kleine Oefen, damit sich die Leute eigenstaendig bekochen koennen.
Momentan kochen die Fluechtlinge selbst und wir wollen sie nicht mit einer Kueche von uns mit Essen, das ihnen vielleicht nicht schmeckt in eine Abhaengigkeit stellen.
Wenn wir vor Ort sind werden wir versuchen einen guten Deal mit einem Gemuesehaendler vor Ort zu bekommen um sie mit Gemuese und Obst zu versorgen.
Heute kaufen wir Solarpannels und ein bisschen Werkzeug ein um gut versorgt in Horgos anzukommen.