Bericht Samos und Lesvos (Griechenland)

Ich weiss der Bericht kommt etwas verspaetet aber wir hatten bis jetzt recht wenig Zeit ihn abzutippen.

Als wir in Samos angekommen sind haben wir sofort gesehen, dass sich dort das Militaervorkommen verstaerkt hat.


Da wir ebenso Boote der deutschen Kuestenwache bemerkt haben und uns mit diesen unterhalten haben, kam heraus, dass diese Frontex unterstuetzen und dass das Militaer nur deshalb vor Ort waere wegen dem griechisch- tuerkischen Konflikt.
Wir haben uns ebenso mit Ladenbesitzern unterhalten, die und mitteilten, dass mittlerweile weniger Fluechtlinge als zuvor ankommen wuerden.
Als wir uns das Fluechtlingscamp vor Ort anschauen wollten, das sich um das doppelte vergroessert hat, wurden wir sofort von Securities aufgehalten und wieder weggeschickt mit der Aussage, dass dies eine Militaerbasis waere und das betreten bzw das draussen darum herum laufen, verboten sei.


Da wir nur auf der Durchreise nach Lesvos waren konnten wir uns keine weiteren Bilder von Samos machen und kamen dann schliesslich in Lesvos an.
Nachdem wir angekommen waren, wurden wir vom Hafen abgeholt und zu dem besetzen Haus gebracht, das zum Social Center umfunktioniert wurde und mit der Idee enstanden ist, einen Schutzraum fuer die Fluechtlinge vor Polizei und Militaer zu bieten und ihnen einen Aufenthaltsraum zur Verfuegung zu stellen, in dem Essen ausgegeben wurde, Spiele gespielt werden konnten, kostenlos Klamotten zur Verfuegung gestellt wurden, Infos ueber allgemeine Rechte und Gesetze weitergegeben wurden und einiges mehr. Das Haus war in viele Raeumlichkeiten unterteilt, wie einen Frauenraum, Aufenthaltsraum mit Theke zum Essen ausgeben, einen Umsonstladen, einem Kinderbereich,Kueche,Toiletten…
Küche
Theke
Kinderberreich
Women Space
Kurz nach unserer Ankunft kam auch schon die Polizei und wollte wissen was wir dort machen und wir das Haus verlassen sollen. Nach einer kurzen Erlaeuterung, dass wir im Gespraech mit der Alphabank (der Besitzer des Hauses) sind meinten sie wir sollen trotzdem gehen bis das geklaert ist, machten aber nachdem sie mit dem Anwalt telefoniert hatten, der zwischen uns und der Bank vermittel sollte, nichts weiter und gingen wieder.
Nach 2 Stunden kam noch einmal die Polizei, diesmal in zivil, die wir aber widerum abwimmeln konnten.
Die naechsten Tage haben wir mitgeholfen das Social Center noch komplett mit einzurichten, Sachen zu bauen, die noch fehlten und hatten die Idee einen Umsonstladen dort einzurichten, welche wir auch gleich umsetzten und zu einer leer stehenden Cheese-factory fuhren, die zum Klamottenlager umfunktioniert wurde, um uns dort mit jeweiligen einzudecken und bauten den Laden direkt in den naechsten Tagen ein.
Clothes
Klamotten
Freeshop
Ebenfalls wurden wir eingewiesen was zu tun ist im Falle, dass ein Fluechtlingsboot ankommt, wie man sich verhaelt und wie man die Leute am Besten sicher an Land bringt. Da eine Nacht zuvor der Militaerputsch in der Tuerkei stattfand, waren einige sicher, dass es sein koennte, dass in den naechsten Tagen ein paar Fluecktlingsboote ankommen wuerden, weil diese die unsichere Lage vielleicht ausnutzen koennten um von dort zu fliehen. Deswegen gab es jede Nacht 2 eingeteilte Nachtschichten, die vom Aussichtsturm des Hauses das Meer beobachteten und Alarm schlagen sollten, wenn sie eins entdecken sollten. Wir uebernahmen dies unter anderem auch ein paar Naechte.
Weiterhin wurde versucht, eine diplomatische Beziehung mit der Alphabank zu fuehren, die aber nicht den gewuenschten Erfolg hatte.
Gleich am Eroeffnungtag erschien ein Bankmanager, im Gefolge mit Polizei, und forderte uns auf das Gebauede zu verlassen, was wir nicht taten, und nach einigen Diskussionen erlaubte uns dieser offiziell noch 3 Tage drinnen zu bleiben.
Nach einiger Zeit trafen die ersten Gefluechteten ein und Stueckchenweise kamen immer mehr.
Eröffnung 1
Eröfnnung 2
Es gab einen riessigen Ansturm auf den Umsonstladen und artete im Chaos aus.
Eins der groessten Probleme war, dass wir nicht genug Kleidung hatten in den meistgebrauchtesten Groessen, sodass viele sich vordraengelten und alle durcheinander schrien um das zu bekommen was sie brauchten. Vorallem fehlten Maennerklamotten, die es aber generell nicht mehr so viel auf der ganzen Insel gab. Wir versuchten uns ebenso mit Atrica in Verbindung zu setzen, die ebenfalls ein Lager hatten, stellten aber auch dort fest, dass dies rar waren.
Nach 2 Tagen nach der Eroeffnung haben wir uns dazu entschieden, die Kueche zu uebernehmen, die an einem separierten Ort war um die Abendsessenausgabe im Falle der Raeumung zu sichern.
Küchenlager
Töpfe
Schnippeln
Kochen
Wir kochten ungefaehr jeden Tag um die 200 Portionen und verteilten diese mit dem Auto an einem anderen Platz. Dies machten wir bis zum Schluss.
Die Wasservorraete wurden uns von einer wohlhabenden pakistanischen Familie gespendet.
Ausgabe
Zu diesem Zeitpunkt waren wir um die 30 Aktivisten. Nach der abgelaufenen Frist, gabe es nochmal ein Gespraech mit der Alphabank, jedoch ohne Chance das Haus legal weiter zu betreiben. Ein paar Tage spaeter (unserem Abfahrtstermin in Richtung der serbisch-ungarischen Grenze) wurden wir geraeumt.
Im Nachhinein haben wir erfahren, dass die Leute den Strand vor dem Haus besetzt haben, um das Social Center weiter betreiben zu koennen.
Jedoch wurde auch dieses, nach mehrmaligem Auffordern seitens der Polizei, inzwischen geraeumt.
Strand

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Boot
(Gestrandetes Boot)

Müll
(Viele Teile der Küste sind voll mit Wasserflaschen, Schuhen, Rücksäcken, Decken… der Angekommenen)

Bild
(Dieses Bild wurde von einem Kind gemalt. Es zeigt wie ein Frontexschiff die Menschen von ihrem Boot herüberholt)


(Die Schwimmwestenberge in Molivos von den Angekommenen auf der Insel. Und das sind noch lange nicht alle.)
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Jetzt zur allgemeinen Info in Griechenland und vorallem auf Lesvos:
Auf der Insel gibt es momentan ca. 10 000 Fluechtlinge.
Insgesamt gibt es 20 NGO (Non Goverment organisation) Camps, und einen Abschiebeknast namens Moria in dem momentan 4000 Fluechtlinge „leben“. Ein neuer Abschiebeknast mit groesserer Kapazitaet ist bereits im Bau und wird auch bald zur Verfuegung stehen. Einige von den Fluechtlingen schlafen auf der Strasse, da sie sich entweder nicht registrieren lassen wollen, oder weil in Moria keine menschenwuerdigen Zustaende herrschen und es viele gewaltaetige Konflikte in den Camps gibt.
Vor einen halben Jahr wurden alle in Moria komplett eingesperrt und hatten nur eine halbe Stunde Hofgang. In dieser Zeit gab es vermehrt Aufstaende. Einer der wichtigsten war der ausgeloest wegen des Besuchs eines Ministers, in dem die Gefluechteten ein Teil des Gefaengnisses besetzen konnten und durch die Lautsprecheranlage durchschrien : „Freedom now“. Nachdem der Aufstand niedergepruegelt wurde und es die Aufmerksamkeit der Medien auf sich zog, wurde die Ausgangssperre wieder gelockert und in zwei Sektoren unterteilt den Inneren ( die leute haben immer noch kein Recht zum Ausgang) und den Aeusseren ( Ausgangserlaubniss nur tagsueber).
Bei Ankunft eines Fluechtlingsbootes werden die Fluechtlinge zuerst von der Polizei nach Moria gebracht um dort registriert zu werden ( Fingerabdruecke, Fotos…), danach bekommen sie eine Aufenthaltserlaubnis von einen Monat. Nach Ablauf dieser Frist, findet ein Interview statt, indem geklaert wird, aus welchem Grund die Leute geflohen sind und ob sie auf Grund dessen Asyl bekommen oder nicht.
Dabei haben Syrer die besten Chancen, da Syrien als einzigstes nicht als sicheres Herkunftsland gilt. Sogar Afghanistan ist mittlerweile in der Diskussion als sicheres Herkunftsland zu gelten und die Fluechtlinge von dort werden teilweise abgeschoben. Die schlechtesten Bedingungen haben Marokkaner sowie Pakistanis, da deren Staaten sie nicht mehr zurueck nehmen wollen, ausser sie zahlen ca. 800 Euro.
Die Fluechtlinge wurden teilweise unter Druck dazu ueberredet Blankopapiere zu unterschreiben, die spaeter als Gestaendnis zu einer kriminellen Handlung genutzt werden koennen, um Abschiebungen zu rechtfertigen.
Alle Fluechtlinge die nicht erfolgreich Asyl beantragt haben ( nahe zu alle), haben den Status illegal auf der Insel zu sein und koennen somit jederzeit grundlos verhaftet werden. Diese Leute haben keine Chance von der Insel aufs Festland zu kommen und sehen deswegen die Insel als ein grosses Gefaengnis an. Momentan finden auf der Insel keine Abschiebungen statt.

Pro Tag kommt mittlerweile nur noch ein Fluechtlingsboot an, ein halbes Jahr zuvor kamen ca. 20 Boote pro Tag an, das hat mit verstaerkten Kontrollen an der tuerkischen Kueste zu tun, unter anderen auch mit Drohnen.
Bevor Organisationen die Chance bekommen Fluechtlingsboote zu bergen, sind die Frontexschiffe schon vor Ort. Von der Tuerkei bis nach Lesvos sind es ca. 12 Km.
Die Fluechtlinge muessen pro Person zwischen 800 -1500 Euro an Schlepper zahlen um die Strecke zu bewaeltigen. Von Lesvos bis nach Athen ca. 1200.
Viele Schlepper wollen ihren Gewinn maximieren und strecken deswegen den Sprit und geben minderwaertige Schwimmwesten aus, die sich mit Wasser fuellen und die Leute zusaetzlich unter Wasser ziehen.
Viele lokale Gruppen setzen sich fuer die Rechte der Fluechtlinge ein.

Eine sehr bewegende und traurige Geschichte wurde uns von einem Gefluechteten erzaehlt, die darum ging wie er von der Tuerkei nach Lesvos uebergesetzt ist.
Das Boot war voll mit ungefaehr 50 Leuten. Als sie mitten auf dem Meer waren, fuhr ein riessiges Schiff sehr nah vorbei und durch die Wellen, die dieses ausloeste, wurde das kleine Boot umgeworfen und sank. Das Schiff fuhr einfach weiter als waer nichts gewesen.
Eine Mutter von 2 kleinen Toechtern, die 2-3 Jahre alt waren, bat ihn im Falle, dass etwas passieren sollte, er ihre beiden toechter bitte retten solle. Er versuchte es, doch bald war auch er muede und konnte sie nicht mehr halten. Er selber brauchte noch ganze 2 Stunden um an Land zu schwimmen und hatte die ganze Zeit ueber den Gedanken, er wuerde es auch nicht mehr schaffen und ertrinken. Schlussletztendlich schaffte er es.
Was er aber jede Nacht hoert sind immer noch die Schreie der Leute, die um ihr Ueberleben kaempften und gibt sich selber die Schuld, dass er die beiden kleinen Maedchen nicht retten konnte.
In den ganzen letzten Jahren sind jedoch nicht nur diese Leute ertrunken sondern 1000e von Gefluechteten.

Bilder kommen noch in den naechsten Tagen