Bericht aus Serbien (3)

Wir sind vor ein paar Tagen mit dem Van zur Tankstelle gefahren, die in der Naehe des Camps Horgos liegt, und haben die Handys einiger Leute aufgeladen und dabei Wassermelone und Anderes verteilt.
Nach einigen Gespraechen sind wir mit in das Camp Horgos gelaufen um uns ein Bild davon zu machen. Wir wurden dort freundlich empfangen und sogleich zu einer Familie mit ins Zelt eingeladen, die uns zu Tee einlud. Wir sassen dort einige Zeit und unterhielten uns mit allen unter anderem auch ueber die Situation im Camp.
So fanden wir heraus, dass es eine Liste gibt von Denen, die noch legal ueber die Grenze gelassen werden duerfen. Auf dieser Liste stehen noch 1500 Namen und ist mittlerweile geschlossen.
Pro Tag werden 15 Menschen von dieser Liste ueber die Grenze in ein Camp nach Budapest gebracht, bevorzugt Familien (ca. 2 am Tag) und wenig Alleinstehende (1-2).
Wer ueber die Grenze darf entscheidet ein etwas aelterer Mann des Camps, der von der Polizei elegiert wurde; entscheidet dies jedoch zusammen mit den anderen Refugees.
Wie schon im vorherigen Bericht erwaehnt werden alleinstehende Maenner erst einmal 28 Tage in Container (3 Personen pro Container) eingesperrt und es wird versucht sie zu ueberreden wieder in ihr Land zurueckzugehen und es wird abgeklaert ob sie Asylbed├╝rftig sind oder nicht und ob es sich um Terroristen handelt. Eigentlich dauert die offizielle Befragungszeit 8 Tage, die Leute werden dennoch 28 festgehalten. Wer die 28 Tage durchhaelt und der asylberechtigt erscheint,wird in ein Camp nach Budapest gebracht, darf dort jedoch nicht schlafen sondern nur Asyl beantragen und muss bis der Antrag durchgeht (das dauert meistens zwischen 1-2 Monaten) die Zeit auf der Stra├če ohne Geld verbringen, denn der ungarische Staat unterstuetzt diese nicht mit Geld.
Seit Dezember ist es auch strafbar illegal die Grenze zu uebertreten. Dh jeder, der dabei erwischt wird kann dafuer ins Gefaengnis kommen.
Momentan schlafen in Horgos 325 Personen.
In einer Nacht, hat sich ein junger Mann im Camp versucht das Leben zu nehmen, in dem er 20 Zigaretten gegessen hat (2 fuehren schon zu einer Vergiftung und zum Tod) und sich tief in die Arme schnitt. Leute aus dem Camp versuchten verzweifelt den Krankenwagen zu rufen, die aber meinten, sie duerften nicht in das Camp fahren und wenn muesse man ihn aus dem Camp rausbringen.
Auch Versuche die Polizei zu verstaendigen waren sehr ernuechternd, da sie nur in das Telefon reinschriehen, auflegten und nach 3. Anrufversuch uns einfach wegdrueckten.
Im Endeffekt kamen ein paar Voluntairs ins Camp gefahren, legten den Mann auf eine Plane und schafften ihn selber zu einem Arzt. Er ist zum Glueck durchgekommen und wieder auf den Beinen.
Wer im Fluechtlingscamp in Budapest ankommt, wird erst mal 3 Monate festgehalten bis entschieden wird ob er oder sie weiterreissen darf/duerfen.
Viele versuchen auch illegal ueber die Grenze zu kommen.
Fuer einen Transport von Schleppern ueber die Grenze zahlen die Leute 1500 Euro im Vorraus oder wer erst im Nachinein zahlen will, um wirklich sicher zu gehen nicht abgezogen zu werden, zahlt 2500 Euro.
Von einigen, die erwischt wurden und wieder zurueck nach Serbien abgeschoben wurden, wurde uns erzaehlt, dass die ungarische Polizei sie im Gefaengnis eingesperrt hat und ihnen sagte, wenn sie sich selber mit Zigaretten verbrennen wuerden oder sich selber schneiden wuerden, wuerden sie wieder frei gelassen werden (was natuerlich nicht passiert ist, sondern sie wieder abgeschoben wurden).
Auf Grund dessen laufen hier viele mit Schnittwunden und Brandverletzungen herum.
Auch Hundebissverletzungen sind nicht selten, da in der 8 km Sicherheitszone der ungarischen Grenze die Polizei Hunde im Einsatz hat und diese auch auf Leute hetzen. Uns wurde auch von scharfen Schuessen berichtet.
In dieser Zone duerfen Fliehende noch legal wieder zurueck gebracht werden. Nach diesen 8 km ist es eigentlich illegal fuer den ungarischen Staat.
Uns wurde auch von einigen Fluechtlingen erzaehlt, dass eine inoffizielle Praemie auf sie von der ungarischen Polizei ausgesetzt wurde. Uns wurde von 50 Euro berichtet, die den Taxifahrern zugeschoben worden seien.
Auch in Kroatien und Bosnien schaut es momentan nicht gut aus. Durch die Situation der verschaerften Aenderungen mit Fluechtlingen in Ungarn befuerchtet der kroatische Staat, dass diese nun ueber Kroatien weiter reisen werden und haben die Grenze mit ueber 6000 mehr Polizeieinsatzkraeften verstaerkt.
Die Reise allein durch Kroatien und durch Bosnien gestalltet sich auch so schon schwierig genug, da durch den kroatisch-serbischen Krieg damals noch ziemlich viele Gebiete mit Landminen verseucht sind.
Besser sieht es in Slowenien aus. Da dieses Land anscheinend nicht von sehr vielen Gefluechteten ausgesucht wird, sind die Gesetze und der Umgang mit jenen locker geregelt. Auch die Grenze wird nicht so stark bewacht.
Zwar werden die Leute dort auch erst mal eingesperrt, werden jedoch sofort nach dem Stellen des Asylantrags wieder frei gelassen oder auch einfach so wieder raus gelassen.

Jetzt zum Dublin-Abkommen.
Nach dem Dublin-3-Abkommen ist gerade das Dublin-4-Abkommen im Gespraech und soll in naechster Zeit in Kraft treten.
Dies wird die Rechte Der Fluechtlinge imens verringern.
Das neue Abkommen besagt, dass statt einer Frist von 6 Monaten (in der Gefluechtete legal abgeschoben werden duerfen und nach Ablauf dieser Zeit nicht mehr), die Frist nun abgeschafft werden soll und jeder jederzeit legal wieder in das Erstregistrierungsland abgeschoben werden kann.
Auch vor minderjaehrigen Jugendlichen sowie die von der Reise Traumatisierten, macht das Neue Abkommen keinen Halt mehr (was nach Abkommen 3 verboten war) und jene duerfen auch legal abgeschoben werden.
Unter Anderem wird das Kirchenasyl komplett verboten und sie koennen weder Asyl noch Hilfeleistungen mehr beantragen.