Einige von uns waren bereits letzten Winter in Griechenland um dort die No-Border-Kitchen auf Samos zu unterstützen. Der follgende Bericht dokumentiert die Erfahrungen

Bericht über Arbeit auf Samos
Ein Teil der Reisegruppe 4 befindet sich seit zehn Tagen auf der griechischen Insel Samos.Es gibt hier zwei Flücchtlingscamps, in denen die Flüchtlinge darauf warten, registriert zu werden und ein 30-Tage-Visum für Griechenland zu erhalten, um ihre Flucht fortsetzen zu können. Die Menschen begeben sich von der Türkei aus in viel zu überfüllten Schlepper-Schlauchbooten auf die griechischen Inseln und bezahlen für die lebensgefährliche Überfahrt unvorstellbar hohe Geldsummen. Auf Samos werden sie nach Nationalitäten in zwei Camps aufgeteilt. Im Camp direkt am Hafen leben vor allem syrische und marokkanische Flüchtlinge. Für sie kocht täglich die open eyes kitchen aus der Schweiz warmes Abendessen, zum Teil Mittagessen und Tee.

Wir haben uns in erster Linie der no border kitchen angeschlossen, die für das zweite Camp auf der Insel kocht, das sich oberhalb des Stadtzentrums auf einem Hügel befindet, und halten uns dementsprechend überwiegend dort auf. Die Küchen supporten sich gegenseitig und arbeiten viel zusammen. Im zweiten Camp leben viele Flüchtlinge aus Afghanistan, Pakistan und dem Iran. Die Bedingungen in diesem Camp sind katastrophal. Bis zu 50 Menschen schlafen zusammen in einem Container. Für Frauen, Kinder und Familien gibt es keine extra Schlafräume. Auch die Toiletten, die wie das gesamte Camp in einem hygienisch unhinnehmbaren Zustand sind, müssen sich alle zusammen teilen. Es gibt kein warmes Wasser und nur einen Wasseranschluss für das gesamte Camp, in dem zeitweise über tausend Menschen leben. Viele von ihnen schlafen vor dem Camp in Zelten, weil die Aufnahmekapazitäten schon lange ausgereizt sind und das Camp mehr als überfüllt ist. Es gibt Überwachungskameras und das Gelände ist umzäunt wie ein Gefängnis. Es gibt einen Eingang, der abends ab 11 Uhr geschlossen wird.

Gleich am Eingang befindet sich die Station der Polizei, das Büro des UNHCR und der IOM, die vormittags Übersetzungsarbeit anbietet. Nachdem wir bereits eine Woche auf der Insel waren, haben wir das erste Mal Mitarbeiter_innen der Organisationen gesehen und mit ihnen gesprochen.Wir haben noch nicht wirklich verstanden, was sie genau für Aufgaben in dem Camp übernehmen. Vor allem brauchen sie für alles, was sie machen, Genehmigungen und sind in staatliche Strukturen eingebunden, was nach unserer Ansicht schnelle und gezielte Hilfeleistungen eher unterbindet.

Auch Ärzte ohne Grenzen ist anwesend, die sowohl medizinische Hilfe leisten als auch mittags Essen verteilen. Die Zusammenarbeit mit Ärzte ohne Grenzen soll nach den Erfahrungen der schon früher angereisten Aktivist_innen sehr gut sein. Auch von der Bevölkerung der Insel und Mitarbeiter_innen städtischer Einrichtungen kommt Unterstützung. Die meisten Flüchtlinge bleiben ungefähr eine Woche bis zehn Tage im Camp, bis sie ihre Flucht über Athen und dann Mazedonien und den Balkan weiter fortsetzen.

Es ist uns aufgefallen, dass viele noch nicht wissen, wie sie ihre Reise fortsetzen sollen. Wir sind gerade dabei, vor dem Camp einen Infopoint aufzubauen, um Informationen über die derzeitige Lage in Griechenland und auf dem Balkan an die Menschen weiterzugeben. Wir haben viel Kontakt mit den Flüchtlingen und binden sie mit in unsere alltägliche Arbeit ein. Mit der Zeit haben wir bereits viele neue Bekanntschaften gemacht und Freundschaften geschlossen und wünschen uns, auch nach unserer Rückkehr nach Deutschland mit ihnen in Kontakt zu bleiben und sie weiterhin zu unterstützen.

Die Polizei akzeptiert unsere Arbeit, wirklich eingreifen in die Campstrukturen können wir wohl aber erst einmal nicht. Zum Teil kam es in der letzten Zeit zu kleineren Auseinandersetzungen, als ein Polizist sich in unsere Arbeit bei der Essensausgabe einmischen wollte oder ein anderer eine Aktivistin aufforderte, Fotos auf ihrer Kamera zu löschen. Davon haben wir uns aber nicht einschüchtern lassen und unsere Position verteidigt, was in den Momenten funktioniert hat. Mittlerweile dürfen wir das Camp nur noch betreten, wenn wir das Essen an die Flüchtlinge verteilen.

Außerdem mussten wir den Standort unserer Küche aufgrund anscheinender Sicherheitsvorkehrungen wechseln, sind vor zwei Tagen umgezogen und kochen jetzt oberhalb beziehungsweise hinter dem Camp. Wir haben neue Zelte dazu bekommen, viel mehr Platz und die Arbeit macht jetzt noch mehr Spaß. Durch die räumliche Trennung zum Eingang des Camps ist zunächst der Kontakt zu den Flüchtlingen etwas abgebrochen, aber mittlerweile wissen sie wieder, wo sie uns finden können oder wir erzählen es weiter. Das Wetter ist zurzeit sehr kalt, ab Montag soll es regnen, was die Bedingungen im Camp noch weiter verschlechtern würde.Wir werden in einigen Tagen die Insel wieder verlassen. Die Küche wird weiter bestehen und ist auf Unterstützung angewiesen. Wenn ihr Lust habt, nach Samos zu kommen, nehmt gerne mit der Reisegruppe 4 Kontakt auf und wir vermitteln euch dann weiter! Und erzählt weiter, was wir euch berichten, damit die Menschen erfahren, was für unmenschliche Zustände in den Flüchtlingscamps auf Samos herschen!